Kollwitzplatz
Berlin ist ja bekanntlich immer eine Reise wert. Lebenslust pur hat sich in den vergangenen Jahren am Kollwitzplatz im Bezirk Pankow, Ortsteil Prenzlauer Berg niedergelassen.
Dieser Platz ist heute der Mittelpunkt im Kollwitzkiez- wie es auch genannt wird. Er hat eine Größe von ca. 6000 m² und ist aus einer dreieckigen Freifläche entstanden.
Seinen Namen erhielt der Kollwitzplatz am 7. Oktober 1947. Vorher hieß er Wörther Platz. Er wurde nach der Bildhauerin und Grafikerin Käthe Kollwitz benannt. Erinnern soll der Name aber auch an den Ehemann von Käthe Kollwitz, der bis 1940 als Arzt tätig war. Somit prägte Karl Kollwitz die Umgebung des Platzes mit. Von 1891 bis 1943 lebten beide in dem Haus in der Kollwitzstraße 56a, die damals noch Weißenburger Straße 25 hieß. Im Zweiten Weltkrieg ist das Viertel von größeren Schäden verschont geblieben. Bis zum Ende der 70er Jahre wurden nur sehr wenige Häuser modernisiert oder saniert. Bis zur Mitte der 90er Jahre sind drei von vier leeren Eckgrundstücken wieder neu bebaut worden. 1987- im Rahmen der 750-Jahrfeier von Berlin- wurden einige Straßen nach historischem Vorbild rekonstruiert. In diesem Jahr wurde die Husemannstraße herausgeputzt. Diese Gegend genoss schon zu DDR-Zeiten die volle Aufmerksamkeit der Berliner Stadtsanierer.
Kollwitzplatz Historie
Als Erinnerung an Käthe Kollwitz wurde 1950 eine Skulptur der Künstlerin auf einem Grundstück direkt gegenüber ihres damaligen Wohnhauses errichtet. Sie trägt den Namen “Mutter mit zwei Kindern”. Zwei mal wurde die Skulptur wieder versetzt. Anlässlich des 120. Geburtstages von Käthe Kollwitz wurde sie am Haus des damaligen Bezirksamtes Prenzlauer Berg, Fröbelstraße 17 neu eingeweiht.
1961 wurde in der Mitte des Kolwitzplatzes ein Kollwitz-Denkmal errichtet. Gustav Seitz erhielt 1956 den Auftrag dafür und hat nach einem Selbstporträts eine Bronzeplastik entworfen. Sie ist besonders bei Kindern sehr beliebt, die sich gerne auf den Schoß des Kunstwerkes setzen. Entlang von alten Bäumen ist ein Kinderspielplatz entstanden, der inzwischen legender geworden ist. Von ihm aus ist die Skulptur in zentraler Blickachse platziert.
Südöstlich des Kollwitzplatzes befindet sich die Synagoge Rykestraße. Hier gibt es einen Weg für Trauerzüge zum Jüdischen Friedhof bis zum Eingang des Judengangs, der schon 1827 angelegt wurde. Dieser Weg verläuft an der Rückseite der Wohnhäuser.
Im Nordwesten des Platzes, an der Knaackstraße, Ecke Schönhauser Allee, befindet sich das Veranstaltungszentrum Kulturbrauerei. Früher war dieser Gebäudekomplex, der von Franz Schwechten geschaffen wurde, die Schultheiss-Brauerei. In dieser Brauerei ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Einige Zeit nach Eintreten der Waffenruhe am 2. Mai fielen hier die letzten Schüsse des Krieges. Damit war der Kollwitzplatz Anfang Mai 1945 ein schicksalhafter Ort. Heute gibt es an allen drei angrenzenden Straßen des Kollwitzplatzes unzählige Restaurants und Straßencafes. An allen Samstagen findet seid dem Jahr 2000 von 9 bis 18 Uhr ein Wochenmarkt auf dem Kollwitzplatz statt. Seit Mitte der 90er Jahre haben die Anwohner immer wieder versucht, einen Wochenmarkt zu initieren. Das Bezirksamt hatte dies immer wieder mit den Argumenten verhindert, es ständen keine geeigneten Flächen zur Verfügung.
Heute zählt der “Kollwitzmarkt” zu den beliebtesten Märkten von Berlin. Donnerstags ist Ökomarkt. An allen Advendssonntagen findet ein Weihnachtsmarkt statt. Dieser hat sich zu einer regelrechten Touristenattraktion entwickelt.
Der Prenzlauer Berg Kiez
Einer Umfrage zufolge leben die “Pankower” sehr gerne in ihrem Bezirk. Nirgendwo in Berlin hat die Umfrage eine solch hohe Quote erreicht, nämlich 93 Prozent. Sogar SPD-Funktionär Wolfgang Thierse wohnt hier in einer Drei-Zimmerwohnung und nicht in einer Dienstvilla in Schmargendorf. Die Anziehungskraft des Kollwitzplatzes erhöht sich ständig. Es kann durchaus passieren, bekannten Moderatoren oder Schauspielern zu begegnen. Vieleicht muß man hier auf etwas Komfort verzichten. Die Atmosphäre und die Gemütlichkeit in diesem Teil Berlins sind aber garantiert einzigartig.
Bleibt zu hoffen, das sich in Zeiten steigender Kosten die zumeist junge Bevölkerungsschicht wird halten können. Es wäre schade, wenn Platz und Kietz zu einem Paradies für Gutverdiener werden würde. Im Augenblick müssen nur vereinzelte Händler ihre Geschäfte verlassen. Bei stets steigenden Gewerbemieten könnte es hier bald anders aussehen. Noch gibt es am Kollwitzplatz Mietobergrenzen. Sollten diese durch Sanierungen im Wohnungsbau wegfallen, kann sich gerade die junge und kinderreiche Bevölkerungsschicht auf Dauer hier nicht halten.
Für Touristen, die den Kollwitzplatz besuchen möchten, bietet sich an, die U2 zu benutzen. Der Fußweg vom Bahnhof Eberswalder Straße über die Danziger Straße und die Knaackstraße beträgt etwa 600m. Dann kann man beispielsweise das Restaurant Gurgelhof besuchen, in dem schon der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder, Joschka Fischer oder Madelleine Albright zu Gast waren. Bei schönem Wetter stellen die Bars und Cafes ihre Tische und Stühle auf die breiten Bürgersteige. Diese Außenplätze sind besonders begehrt und an warmen Abenden ist hier kein freier Platz mehr zu finden.
In nördlicher Richtung befindet sich die Danziger Straße. Dort kann man seiner Kauflust freien Lauf lassen oder einfach nur in den Läden stöbern. Von trendiger Mode bis zu gebrauchten Waren ist hier fast alles zu haben. Oder man schlendert einfach nur an den zum Teil künstlerisch dekorierten Schaufenstern vorbei.
Bleibt zu hoffen, daß dieser Ort der Begegnung und der Geselligkeit noch lange von seinem besonderen Charme geprägt wird. Es wird kaum etwas Vergleichbares mit diesem Flair geben.